Okt 24

„Habt keine Angst vor dem Unbekannten!“

by in Interviews

Johannes Klaus war fast 14 Monate auf Weltreise durch Asien und Afrika. Warum er dafür keine festen Pläne gemacht hat, was ihn am Reisen fasziniert und welche Tipps er gibt, erzählt er uns in diesem Interview.

Copyright: Johannes Klaus.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, auf Weltreise zu gehen?

Johannes Klaus: Nach meinem Zivildienst bin ich spontan ein halbes Jahr gereist, von der Türkei aus nach Indien und von dort bis nach Thailand. Von diesem Zeitpunkt an war für mich eigentlich immer klar, dass ich noch einmal richtig auf Reisen gehen möchte – ganz ohne Zeitdruck. Ich habe aber zuerst einmal eine Ausbildung gemacht, gearbeitet und Geld gespart. Nach acht Jahren habe ich meinen Job gekündigt und bin losgezogen.

Viele träumen ja von einer Weltreise, trauen sich aber nicht ihren Job dafür aufzugeben. War es schwer für Dich, diese Sicherheit aufzugeben?

Johannes Klaus: Nein, mir persönlich ist das nicht schwer gefallen J Leider hält die Arbeit viele davon ab, ihre Träume zu verwirklichen. Sie würden gerne verreisen, schaffen aber nicht den Absprung. Seitdem ich von meiner Weltreise zurückgekommen bin, kann ich mir nicht mehr wirklich vorstellen, irgendwo festangestellt sein. Ich arbeite gerne freiberuflich, da habe ich mehr Freiheiten und kann jederzeit wieder auf Reise gehen.

Hast Du dir vor deiner Weltreise einen festen Plan gemacht, wohin die Reise gehen soll?

Johannes Klaus: Natürlich machte ich mir vorher lange Gedanken, wo ich hin möchte, wann dort das Wetter gut ist oder was ich mir dort anschauen könnte. Aber letzten Endes hatte ich nur eine grobe Idee und wollte nicht alles exakt durchplanen. Viele buchen vorher schon alle Flüge und schnüren sich so in ein Korsett ein. Wenn du auf Reise gehst, passieren aber jeden Tag Dinge, die du nicht geplant hast. Du lernst nette Menschen kennen und änderst deine Reiseroute, oder ein Ort gefällt dir so gut, dass du länger bleibst und ein anderes Reiseziel dafür streichst.

Was fasziniert dich am Reisen?

Johannes Klaus: Mich fasziniert es, völlig aus dem Alltag rausgerissen zu werden. Man hat einen ganz anderen Bezug zur Zeit und zum eigenen Leben: Ich habe die Freiheit, jede Minute selbstbestimmt zu entscheiden, was ich tun will. Ich bin aber auch auf Reise gegangen, um mich persönlich weiterzuentwickeln. Ich bin eher ein schüchterner Mensch und es tut mir gut, wenn ich alleine unterwegs bin und auf fremde Menschen zugehe.

Hast Du Deutschland zwischendurch vermisst?

Johannes Klaus: Erstaunlicherweise eigentlich nie. Selbst als ich krank war, hatte ich nie das Gefühl, dass ich jetzt nach Hause will.

Warst Du denn häufig krank?

Johannes Klaus: Ich hatte keine große Krankheit wie Malaria oder Dengue. Da habe ich schon Glück gehabt. Aber natürlich bekommt man auf so einer Reise immer irgendwelche kleineren und größeren Magengeschichten.  In Asien hatte ich einen Sandmücken-Angriff. Der ganze Rücken war voll mit Beulen. Aber insgesamt war keine Krankheit dabei, für die ich meine Reise unterbrechen oder gar abbrechen musste.

Viele Deutsche wandern für immer aus ihrer Heimat aus. Würdest Du gerne einmal komplett im Ausland leben?

Johannes Klaus: Ich bin sehr gerne auf Reise, aber bin auch sehr stark in Deutschland verwurzelt. Ich könnte mir das derzeit nicht vorstellen. Aber ich glaube, dass man das auch nicht unbedingt im Griff hat: Im Iran habe ich beispielsweise eine Frau kennengelernt und überlegt, ob meine Reise hier endet. So geht es sicher einigen Weltreisenden: Sie lernen irgendwo jemanden kennen und bleiben einfach dort.

Wie viel Geld hattest Du eigentlich dabei?

Johannes Klaus: Ich bin mit 12.000 Euro gestartet und war fast 14 Monate unterwegs. Als ich wieder in Deutschland war hatte ich noch 100 Euro auf dem Konto. Es hat also genau gepasst J Ich habe geguckt, dass ich möglichst günstig lebe. Zum Beispiel habe ich keinen Berggorilla-Ausflug für 500 Dollar pro Stunde gebucht, weil mir klar war, dass ich dann einen Monat früher zurückmuss. Aber es gibt auch Menschen, die kommen mit deutlich weniger Geld aus. Es ist immer eine Frage des Reisestils und der Gegenden, die man besucht.

Welchen Tipp würdest Du Menschen geben, die eine Weltreise unternehmen möchten?

Johannes Klaus: Ich würde ihnen sagen: Habt keine Angst vor dem Unbekannten! Von vielen Ländern hört man immer nur schlechte Nachrichten. Und wenn man vor Ort ist, merkt man schnell: Das ist kein Moloch, sondern ein wunderschönes Land mit freundlichen Menschen. Macht euch frei von euren Voreinstellungen und geht auf Entdeckungsreise.

Johannes Klaus hat während seiner Weltreise auf www.reisedepesche.de gebloggt und ist dafür 2011 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden. Sein neues Projekt lautet www.reisedepeschen.de. Dort schreibt er zusammen mit anderen Reisebloggern über seine nächsten Reisen.

One Response to “„Habt keine Angst vor dem Unbekannten!“”

  1. From Nils:

    Tolles Interview und eine tolle Weltreise von Johannes. Ich bin ein wenig neidisch auf soviel Mut. Leider kann ich mir die Zeit für so ein Abenteuer nicht nehmen.

    Posted on 22. Mai 2013 at 19:10 #

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